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Regional-Haushalt
2005: Kreativität muss den Mangel
an Geld ausgleichen
Haushaltsrede
des FDP-Regionalfraktionsvorsitzenden Jürgen Hofer
Einen "Start mit Schwung in die neue Wahlperiode"
hatte Regionaldirektor Dr. Steinacher seine Haushaltsrede
überschrieben. Und dabei darauf hingewiesen, dass die gute
Position im Wettbewerb der Regionen der Region Stuttgart nicht
geschenkt worden ist, sondern über Jahre erarbeitet wurde
und immer neu erarbeitet werden muss.
Es war angenehm, diese Rede zu hören, denn es gab an keiner
Stelle das heutzutage übliche Gejammer. Stattdessen gab es
das klare Bekenntnis, dass zu einem schwungvollen Start die
offensive Finanzdiskussion gehört. Und die Aussage, dass Planungen
und Tun des Verbandes argumentativ gerechtfertigt werden können.
Dieser optimistische Ansatz ist in den Medien gut aufgenommen
und positiv kommentiert worden. "Fast 30 Millionen Euro für
den Ausbau der S-Bahn", hieß die Überschrift in der Stuttgarter
Zeitung. Auf den ersten Blick sieht das aus, als ob sich die
Region antizyklisch verhält. Aber gibt sie denn Gas, während
andere bremsen müssen? Hat sie einen größeren finanziellen
Spielraum?
Mitnichten!
Bei allem Schwung, den unsere Fraktion begrüßt, und den wir
in Deutschland auch dringend brauchen, denn der Binnenkonjunktur
fehlt vor allem die Zuversicht, eines ist unbestreitbar: Bei
Finanzfragen empfiehlt sich eines: eine knochentrockene, realistische
Betrachtungsweise.
Der Realist sagt: Es gibt in der Region keinerlei zusätzlichen
finanziellen Gestaltungsspielraum. Ebenso wenig wie im Bund,
im Land oder bei den Kommunen.
Im Gegenteil. Natürlich ist es positiv, wenn über Umlagen
nur 30 Prozent des 259,9-Millionen-Gesamthaushaltes gedeckt
werden müssen. Aber uns allen ist doch klar: Jeder weitere
Erhöhung verbietet sich aufgrund der desolaten Finanzlage
der Kommunen und der Landkreise im Moment von selbst. Deswegen
heißt der Vorschlag ja auch, die allgemeine Verwaltungsumlage
stabil zu halten. Auch wenn dies einige finanzielle Klimmzüge
erfordert.
Die Verkehrsumlage und die Vermögensumlage wachsen dagegen
deutlich an. Die großen Projekte, wie S-Bahn, Stuttgart 21
und Messe wirken sich hier voll aus. Bei der Messe zum Beispiel
sind wir alle froh, dass sie kommt. Aber die höhere Vermögensumlage,
die mit ihr untrennbar verbunden ist, trifft die Kommunen
direkt und zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Ausweichmöglichkeiten haben wir keine: Gute Verhandlungen
können nur erreichen, dass der Anstieg bei den Umlagen nicht
so stark ausfällt, wie befürchtet, sondern gestreckt wird.
Die FDP-Regionalfraktion hat schon in der Vergangenheit darauf
hingewiesen, dass wir uns in den nächsten Jahren darauf werden
beschränken müssen, die bereits beschlossenen Großprojekte
zu finanzieren. Der Spielraum, den die Region hatte, ist ausgereizt.
Für neue Projekte ist keine Luft mehr vorhanden. Das wird
- selbstverständlich - beim Blick in diesen Haushalt bestätigt.
Unser ganzer Spielraum besteht noch in der Verschiebung von
Mitteln. Wenn sich das Großprojekt Stuttgart 21 zeitlich verzögert,
dann haben wir zwei Möglichkeiten. Entweder die Umlage wird
zwischendurch etwas gesenkt. Oder wir finanzieren aus der
Stuttgart-21-Rücklage ein anderes Projekt vor und füllen sie
mit den dann für dieses Projekt vorgesehenen Mitteln später
wieder auf.
Diese revolvierende Finanzierung wenden wir jetzt bei verschiedenen
S-Bahn-Projekten an, um die schlechteren Förderquoten auszugleichen.
Ich halte dieses Vorgehen für richtig. Aber es zeigt auch
die Enge unserer Dispositionsmöglichkeiten.
Ein weiteres Beispiel für die Enge des Rahmens: Die Idee,
"ein regelrechtes Innovationsnetzwerk Region Stuttgart" zu
schaffen, begrüßen wir ausdrücklich. Wir sind auch dafür,
hier ein europäisches Format anzustreben, wie es mit dem 4.
Innovationsforum geschieht.
Wir sind auch dafür, das Innovationsnetzwerk so anzulegen,
dass die Kommunen, die es aus ihrer Umlage mitfinanzieren,
etwas davon haben. Dazu haben wir auch einen Antrag eingebracht.
Bewährte Projekte wie Standortkommunikationssystem und die
Existenzgründungshilfe PUSH durch neue Projekte wie Initiativen
für neue Massen und Kongressen und Standortmarketing zu flankieren,
ist richtig. Aber wie sieht denn die Finanzierung aus? Vor
allem durch Umschichtung und durch die Verwendung der Mittel,
die 2004 für die Regionalwahl eingestellt waren, können wir
noch initiativ werden, ohne dass die 10,65 Millionen Verbandsumlage
steigen.
Daran ist leicht zu erkennen, wie gering die finanziellen
Möglichkeiten sind. Auch ein Griff in den Sparstrumpf ist
nicht mehr möglich. Die Rücklagen sind so gut wie vollständig
geplündert.
Dann wäre noch die Frage, ob wir nicht mehr Schulden machen
können, um uns wirklich antizyklisch zu verhalten. Auch hier
ein "Nein" - unser Schuldenstand ist jetzt schon an der Obergrenze.
Blicken wir nach vorn: Sind andere Mittel in Sicht? Auch hier
ein "Nein" - man müsste sie den notleidenden Kommunen stehlen.
Also bleibt die Frage: Was können wir tun? Wir können eine
neue Kreativität an den Tag legen. Nicht einfach in die Kasse
greifen, sondern nachdenken und Wege entwickeln, Politik zu
machen, ohne zusätzliches Geld zu verbrauchen.
Hier ist Phantasie gefragt und da gilt Herrn Dr. Steinacher
von meiner Seite ein uneingeschränktes Lob. Die Einwerbung
von Drittmitteln bringt nicht nur zusätzliche Kaufkraft in
die Region, sie hilft uns auch, die Region voranzubringen.
Gute Verhandlungen mit dem Land wie zum Beispiel bei der S60
haben die höhere Förderquote gesichert.
Gemeinsam mit SSB, DB und den Verbundpartnern ist zu prüfen,
ob und in welchem Umfang Zwei-System-Schienenwege wirtschaftlicher
und verkehrsgerechter wären als die strikte Trennung von Stadtbahn
und S-Bahn. Ich verweise dazu auf das Beispiel Karlsruhe.
Kostensparend könnte auch die Vergabe der S-Bahn-Dienstleistungen
im Wettbewerb sein.
Und Kosteneinsparungen sind unserer Meinung nach möglich,
wenn Landkreise und Region freiwillig eine Verhandlungsgemeinschaft
eingehen, um bei der Finanzierung der Verbundstufe II ihre
Verhandlungsmacht zugunsten geringerer Kosten zu nutzen. lassen
Sie mich dabei anfügen: Der Landtagskollege Birk und ich sind
uns einig, dass wir sehr genau darauf achten, dass diese freiwillige
Gemeinschaft auch zu Stande kommt. Und kommt sie nicht, dann
kommt ganz bestimmt der Druck des Gesetzgebers.
Wo wir können, sollten wir investieren,
denn die mittelständischen Unternehmen in der Region brauchen
Aufträge. Das heißt, bei Projekten Finanzpartner zu suchen.
Beim Landschaftspark zum Beispiel kann die Region mit 250.000
Euro Eigenmitteln viel bewegen, wenn sie sich mit den Kommunen
zusammen tut.
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Dieses Miteinander
zu fördern und Win-Win-Situationen zu schaffen, ist ja eine
alte Forderung der FDP. Wir halten viel davon, die "Kräfte
zu bündeln", wie es der Verband Region Stuttgart sich ja auf
die Fahne geschrieben hat.
Deswegen haben wir den Antrag gestellt, den Regionalkonvent
als Treffen der Mandatsträger und politisch Verantwortlichen
aus der Region durch einen Kommunalkonvent zu flankieren.
Landräte und Vertreter der Kreistagsfraktionen an einem Tisch
mit der Verbandsspitze und Kolleginnen und Kollegen aus diesem
Haus sollen dort zusammen die Projekte bestimmen, in denen
eine regionale Zusammenarbeit allen Beteiligten Gewinn bringt.
Ein weiterer Antrag betrifft die Landesmesse. Wir haben, bevor
wir uns entschlossen hier mit zu finanzieren, viel über Konzepte
und Entwicklungsmöglichkeiten diskutiert. Wir möchten, dass
diese Diskussion fortgesetzt wird. Wir möchten die regionalen
Interessen zur Geltung bringen. Und zu diesen regionalen Interessen
rechnen wir auch den Wunsch aus dem Raum Göppingen, nicht
fünftes Rad am Wagen des Messezuges zu sein. Wir wollen eine
starke Messe und wir wollen, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten
der Messe allen zugute kommen.
Wir haben auch zwei Anträge eingebracht, die sich mit der
Anbindung von Messe und Hauptbahnhof an die Omnibusverkehre
befassen. Wir halten es für ein Unding, dass am Hauptbahnhof
der ersatzlose Wegfall des Busbahnhofes geplant wird. Und
es kann nicht im Sinne einer umfassenden Verkehrserschließung
sein, wenn an der Messe die Möglichkeiten fehlen, Messegästen
mit Bussen zu bringen und diese Busse abzustellen.
Gemeinsam sind wir stark, meine Damen und Herren, das ist
richtig. Aber gemeinsam müssen wir immer stärker werden, das
ist eine Schlussfolgerung, die sich aus der Rede von Herrn
Dr. Steinacher ergibt, wenn wir es mit der Innovationsregion
ernst meinen.
Im Landtag werden in den nächsten Wochen mit dem Elektronik-Anpassungsgesetz
die Weichen gestellt, um endlich möglich zu machen, von was
immer soviel gesprochen worden ist: Anträge nicht mehr per
auf Papier sondern elektronisch zu stellen.
Entbürokratisierung steht damit erstmals nicht mehr nur auf
dem geduldigen Papier sondern lässt sich elektronisch umsetzen.
Wir haben in der Region das Glück, mit der Stadt Esslingen
eine der innovativsten Städte in diesem Bereich zu haben.
Und wir haben dort mit der Entwicklung des Virtuellen Bauamtes
eine Entwicklung, die sich nach allem, was bisher an wissenschaftlichen
Untersuchungen vorliegt, auch wirtschaftlich für die beteiligten
Kommunen, Firmen, Architekten und Bauherren auszahlt. Für
Ingolstadt, Audi und inzwischen auch VW war dies Grundlage
genug, sich näher mit diesem Thema zu befassen.
Für uns in der Region Stuttgart muss das Anlass sein, den
Vorsprung zu verteidigen, denn in dieser Region ist in vielen
Firmen aber auch Kommunen schon viel Vorarbeit für elektronische
Dienstleistungen geleistet worden.
Deswegen der Antrag auf ein Pilotprojekt "Elektronische Bewilligung
von Bauanträgen", mit dem Ziel, diese neue, wirtschaftlichere
Form der Kommunikation zwischen Bauherr und Behörde den Kommunen
in einem gemeinsamen Projekt der WRS und des Kompetenzzentrums
KIND näher zu bringen. Und weil ich Kreativität auch bei der
Finanzierung gefordert habe, haben wir auch gleich den ersten
Vorschlag dazu eingebracht: Bei VW und Audi haben die Finanzmenschen
ausgerechnet, wie lange es dauert, bis sich die Kosten für
sie amortisiert haben. Wir meinen, in das Umsetzungsmodell,
das jetzt als erstes erarbeitet werden soll, gehört eine Regelung
eingebaut, die sicherstellt, dass in den Gebühren auch ein
Anteil enthalten ist, der an die WRS fließt. Zumindest solange,
bis die Anschubfinanzierung wieder eingespielt ist.
Sie wissen ja, wir mögen keine verlorenen Zuschüsse: Die Methode
"Gib' Geld aber sorge dafür, dass Du es auch wieder bekommst,
wenn die Sache ein Erfolg wird", ist uns lieber. So, meine
Damen und Herren stellt sich ein Liberaler einen "Return of
Invest" vor.
Mit diesem Modell könnten wir viele Projekte anpacken, liebe
Kolleginnen und Kollegen, deswegen hoffe ich, dass wir zusammen
diesen Teil des Innovationsnetzwerkes Region Stuttgart auf
die Beine stellen werden. Wir sind uns in diesem Haus auch
sicher alle einig, dass wir eine gute Position haben. Dafür
gebührt Herrn Dr. Steinacher und seinen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern Dank. Wir sind uns sicher genauso einig, dass
wir daran arbeiten müssen, diese Position zu halten und vor
allem zu verbessern. Dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen,
lieber Dr. Steinacher und liebe VRS-Mitarbeiter lasst uns
kreativ und innovativ sein.
Geht nicht, gibt's nicht, heißt der Werbeslogan eines Baumarkts.
Nichts ist unmöglich, der einer Automarke. Das passt natürlich
alles auch auf die Region. Vorausgesetzt, wir gebrauchen unseren
Kopf. Denn: Für etwas Neues sind wir immer gut.
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