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Fraktionsvorsitzender
Jürgen Hofer zum Haushalt 2004
Wenn wir zurück
blicken, stellen wir fest, dass die FDP-Fraktion in den letzten
Jahren die Entwicklung bis heute gut vorausgesagt hat. Wobei
ich sagen muss, es erfüllt uns überhaupt nicht mit
Freude, dass diese Voraussagen, dass die Region bei der Arbeitsweise
der Regionalversammlung einen Berg von Ausgaben anhäuft,
eingetroffen sind.
Mit diesem Haushalt ist die Situation
eingetreten, ich zitiere aus der Haushaltsrede des letzten
Jahres, dass der Verband Region Stuttgart für gut ein
Jahrzehnt damit beschäftigt sein wird, bereits
beschlossene Dinge umzusetzen, weil damit der Finanzrahmen
schon bis an die Belastungsgrenze der Kommunen ausgeschöpft
wird."
Wir haben immer wieder gefordert, Strategien und Vorgehensweisen
zu entwikkeln, mit den Investitionen wenigstens zeitlich versetzt
anfallen. Wir haben im letzten Jahr auch dringlich darum gebeten,
neue Finanzquellen zu erschließen und Fördermittel
aus den auf Landes-, Bundes- und
EU-Ebene in Frage kommenden Struktur- und Wirtschaftsprogrammen
zu akquirieren.
Der Haushalt 2004 bringt erheblich höhere Schulden.
Die Verkehrsumlage steigt dank der Regionalisierungsmittel
zwar nicht in der ursprünglich angenommenen Größe,
aber sie steigt. Die Rücklagen werden fast vollständig
aufgezehrt.
Ein Sparhaushalt ist das nicht, auch wenn ihn die Verbandsspitze
so präsentiert hat. Es ist, das räume ich gerne
ein, allerdings ein Haushalt, der von der Verbandsführung
so gestaltet worden ist, dass er die Kommunen der Region möglichst
gering belastet: Im Verwaltungshaushalt wurden die Mittel
eingefroren und die höhere Schuldenaufnahme trägt
für den Moment auch dazu bei, dass nicht alles unmittelbar
zu Lasten der Kommunen geht. Die Umlageerhöhung durch
die
großen Investitionsprojekte ist aber Belastung genug.
Das heißt natürlich auch, dass bei uns als Politikern
jetzt Disziplin gefragt ist. Deswegen hat die FDP-Regionalfraktion
auch davon abgesehen, sich mit Blick auf die nächsten
Regionalwahlen mit einer Antragsflut zu profilieren und damit
gleichzeitig die Kosten noch weiter zu treiben. Wir möchten
uns auf einen Antrag konzentrieren.
Wir haben beantragt, den S-Bahn-Fahrplan so zu verändern,
dass
es möglich ist, den Flughafen Stuttgart aus der Region
rechtzeitig zum Start der ersten Linienmaschinen zu erreichen.
Und auch nach der Landung der letzten Linienmaschinen noch
mit der S-Bahn nach Hause zu kommen.
Es ist einer Region, die wesentlich von ihren weltweit exportierenden
Firmen lebt, nicht angemessen, dass ihr Nahverkehrssystem
dieser Anforderung nicht Rechnung trägt. Wir streben
dabei selbstverständlich eine möglichst kostengünstige
Lösung an. Aber so könnte beispielsweise der erste
Frühzug der S2, der um 4:51 Uhr in Stuttgart-Bad Cannstatt
startet und um 5.22 Uhr am Flughafen ist, doch bis zu seinem
üblichen Startpunkt Schorndorf und zu Anfahrtszeit 4.18
Uhr verlängert werden, da zumindest für den Laien
diese fahrplantechnische Einschränkung ohnehin nicht
verständlich ist.
Sie können in diesem Fall die
S-Bahn durchaus als Mittel der Wirtschaftsförderung sehen.
Denn dadurch verstärkt sich die Attraktivität der
Region für Geschäftsreisende und Investoren. Damit
steigt die Auslastung der Hotels, gewinnt unter dem Strich
der ganze Wirtschaftsstandort.
Dazu gehört auch unser zweiter nicht kostenrelevanter
Antrag, angesichts der Internationalität der Region die
Schriftbänder zur Fahrgastinformation in der S-Bahn und
auf den Bahnhöfen auch in englischer Sprache anzubieten.
Vielleicht lässt sich auf diesem Weg dazu beitragen,
dass die Region bei Umfragen, die ihre Internationalität
betreffen, künftig besser wegkommt.
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Angesichts der Haushaltslage sehen wir es auch als angemessen
an, dass die Übernahme von Schienenverkehren wie der
Wieslauftalbahn und anderer Strecken gründlich vorbereitet
wird. Dabei läuft die derzeitige Diskussion einschließlich
der Klageandrohung aus dem Kreis Esslingen aus unserer Sicht
in die falsche Richtung.
Die Übernahme von Schienenverkehren ist heute schon keine
reine Freiwilligkeitsleistung der Region. Möglicherweise
wird es eine Aufgabe sein, die vom Land noch erweitert wird.
Ich darf in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die
FDP-Landtagsfraktion die Initiative ergriffen und sich im
Rahmen der derzeitigen Prüfung etwaiger erweiterter Zuständigkeiten
für den VRS dafür ausgesprochen hat, den regional
bedeutsamen schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr
zu vereinheitlichen. Wenn unser Koalitionspartner CDU hier
mit zieht, werden die Kompetenzen der Region in diesem Punkt
deutlich ausgeweitet. Denn regional bedeutsam ist für
uns in diesem Fall auch der Schienenverkehr, der aus den Nachbarregionen
Pendler in die Region Stuttgart bringt. Hier ist die mögliche
Trägerschaft zu prüfen.
Für die FDP-Regionalfraktion macht das Sinn, denn wir
plädieren seit jeher für eine verstärkte Zusammenarbeit
zwischen den Regionen Stuttgart, Neckar-Alb und Franken/Heilbronn
in der Metropolregion Stuttgart. Bezogen auf den Schienenverkehr
heißt das, der VRS sollte für die Verkehrsströme,
die Züge und Pendler zuständig sein, die aus Tübingen,
Reutlingen und Heilbronn kommen, mit dem Ziel, eine Durchtarifierung
zu schaffen und durch ausreichende Kapazitäten eine Entlastung
der Strassen zu erreichen.
Sobald aber die Zuständigkeiten der Region gesetzlich
geregelt sind, kann die Region auch nicht mehr sagen, diesen
Teil übernehmen wir und einen anderen nicht. Deswegen
ist es wichtig, schon jetzt die mögliche Übernahme
konzeptionell vorzubereiten. Dafür kann die Wieslauftalstrecke
als Modell dienen. Aus unserer Sicht ist ihre Übernahme
frühestens zum 1. Januar 2005 möglich. Das kommende
Jahr sollte vom Verband dazu genutzt werden, die Verhandlungen
zu Ende zu führen und ein schlüssiges Konzept inklusive
aller Finanzierungsrisiken vorzulegen, dass von der im Juni
zu wählenden Regionalversammlung beschlossen werden kann.
Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, diese millionenschwere
Entscheidung jetzt noch durch uns zu treffen und die kommende
Regionalversammlung
in diesem Punkt fest
zu legen.
Es macht aber Sinn, für die neue Regional-versammlung
die Wege und die Kosten zu ermitteln, die mit der neuen Zuständigkeit
verbunden sind. Die künftigen Regionalräte werden
von dieser Regionalversammlung ohnehin ein Erbe übernehmen,
dass es ihnen nicht leicht machen wird, eigene Akzente zu
setzen.
Die Frage, ob die neue Regionalversammlung neue Spielräume
haben wird, wird nicht allein hier in Stuttgart entschieden.
Unsere Haushalts-möglichkeiten sind jetzt endgültig
ausgereizt. Ohne einen nachhaltigen Aufschwung, eine wieder
florierende Wirtschaft und eine wieder erstarkte Wirtschaftskraft
werden die neuen Regionalräte sich damit nur damit beschäftigen
können,
den Berg an Aufgaben und Schulden abzuarbeiten,
den ihnen diese Regionalversammlung hinterlässt.
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